Grüne Klima-Heuchler

Gerade die „grünen“ Milieus haben die höchsten CO2-Emissionen: Bei näherer Betrachtung gibt es dort viele Heuchler und Pharisäer

In Frankreich ist die „Kaviarlinke“ ein altes berühmt-berüchtigtes Phänomen. Reiche Leute mit Hang zum Luxusleben, die gerne Kaviar naschen und Champagner schlürfen und doch gleichzeitig von „Solidarität mit der Arbeiterklasse“ faseln und links politisieren. In Deutschland gab es auch Beispiele dieser heuchlerischen Links-reden-rechts-leben-Politiker. Da war etwa einmal eine hessische SPD-Spitzenkandidatin, die laut Programm die Gesamtschule einführen wollte, die ihre eigene Tochter aber auf lieber eine teure Privatschule schickte.

Nun ist es an der Zeit, die Grünen-Heuchler zu entlarven. Denn Studien und Umfragen zeigen, dass gerade bei den Grünen eine große Diskrepanz zwischen „Klimaschutz“-Rhetorik und eigenen „Klimasünder“-Taten besteht. Endlich die Grünen kritischer zu durchleuchten ist umso wichtiger, als diese Partei in den Umfragen so hoch liegt und offenbar sehr geschickt die Öffentlichkeit täuscht. Daran sind auch die vielen grünnahen Journalisten mitschuldig, die einen grünen Zeitgeist mitprägen.

Einen neuen Grad der Hysterie hat die Klimadebatte durch die schwedische Aktivistin Greta Thunberg bekommen. Die 16-Jährige war kürzlich im Zug aus dem hohen Norden bis nach Davos gefahren, um dort für eine drastische Verringerung der CO2-Emissionen zu werben. Greta „Ich bin in Panik und ich will, dass Ihr auch in Panik geratet“ Thunberg wurde von vielen Medien gerade in Deutschland als neue Aktivisten-Ikone auf die Titelseiten gehoben. Seitdem hat die „Fridays for Future“-Bewegung großen Zulauf, in vielen Städten gibt es Schülerdemonstrationen („Streiks“).

Zwischen Reden und Tun prominenter Grüner klafft indes oft eine auffällige Lücke. Die deutsche Klimaaktivistin Lisa Neubauer hält aufrüttelnde Reden auf Grünen-Parteitreffen und bei Schülerdemos. Die erst 21-Jährige hat jedoch durch eine stattliche Zahl von Langstrecken-Urlaubsreisen – nach Indonesien, Hongkong, Afrika, Amerika usw – selbst schon einen Berg von Kohlendioxid-Tonnen verursacht, mehr als mancher Durchschnittsdeutscher in zehn Jahren. Die „klimabesorgte“ junge Frau hat einen vielfach einen größeren CO2-Fußabdruck als der Durchschnittsbürger. Auch Robert Habeck hat etliche Langstrecken-Urlaubsreisen, etwa nach Indien, vorzuweisen.

Flugreisen sind mit Abstand die größten CO2-Versursacher in kurzer Zeit. Ein Trip im Flieger an die amerikanische Ostküste, etwa nach New York, stößt pro Person rund 4 Tonnen CO2 aus; bis an die amerikanische Westküste werden 6 Tonnen emittiert, etwa dreimal so viel wie ein ganze Jahr Autofahren (12.000 Kilometer) in einem Mittelklassewagen. Umso größer war die Aufregung in sozialen Netzwerken, als die grüne Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag, Katharina Schulze, zum Jahreswechsel im Internet stolz Fotos von einem Kurstripp nach Kalifornien präsentierte.

Der Vorwurf: Die Grünen predigen Wasser und trinken Wein. Jemand wie Schulz, der sich vehement gegen die dritte Startbahn des Münchner Flughafens eingesetzt hat, ist selbst Vielflieger (Siehe dazu auch hier).

Das lässt sich sogar durch repräsentative Umfragen belegen. Die Forschungsgruppe Wahlen befragte vor einiger Zeit Bürger nach Flugreisen. Das Ergebnis: Mit Abstand sind die Grünen-Wähler diejenigen, die am häufigsten fliegen (49 Prozent hatten mindestens einen Flug in den letzten zwölf Monaten), vor Wählern der Linken (42 Prozent) und deutlich vor CDU/CSU- und SPD-Wählern (36 und 32 Prozent).

Und gleichzeitig finden die Grünen-Wähler am häufigsten, es sei nicht gut, „dass sich so viele Menschen heute leisten können zu fliegen“. Nur jeder Zweite findet es gut. Man nimmt also selbst Dinge in Anspruch, die man anderen eher nicht gönnt. Oder deren allgemeine Nutzung durch die breite Bevölkerung man ablehnt. Der Vorwurf der Doppelmoral liegt hier nahe.

Eine Studie des Umweltbundesamtes kam vor einiger Zeit zu einem erstaunlichen Befund, der den Vorwurf der Inkonsistenz verstärkt. Untersucht wurde der Pro-Kopf-Verbrauch von natürlichen Ressourcen durch unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Wenig überraschend: Die „gehobenen Milieus“, also jene mit hohem Einkommen, haben besonders viele und große Autos und energiefressende Geräte im Haushalt, ihre Wohnungen sind größer und verbrachen dementsprechend mehr Energie.

Aber auch die „kritisch-kreativen Milieus“ weisen ein „überdurchschnittliches Niveau des Verbrauchs stofflicher Ressourcen“ auf, ergab die Studie. Gerade jene „kritisch-kreativen Milieus“, die urbanen akademischen jungen Schichten, die stark zu den grünen neigen, haben je Kopf weit überdurchschnittlich hohe CO2-Emissionen, die auch nicht dadurch aufgefangen werden, dass sie im Bioladen Produkte aus der Region einkaufen. Gerade aber unter den „Kritisch-Kreativen“, die laut soziologischen Studien besonders „weltoffen“ sind, gibt es überdurchschnittlich viele Vielflieger, die Urlaubsreisen buchen, gerne auch mal einen Trip nach Neuseeland oder Kanada, um dort die unberührte Natur zu bewundern. Gleichzeitig sind sie sehr besorgt über die Auswirkungen der CO2-Emissionen auf das Klima. „In den traditionellen Milieus sind lange Urlaubsreisen weniger verbreitet“, notieren die Forscher.

Unter dem Strich kam die Studie zu dem Ergebnis, dass jene mit „positiver Umwelteinstellung“ beim tatsächlichen Energieverbrauch und bei den tatsächlichen CO2-Emissionen die höchsten Werte aufweisen. Im Umweltamt werden sie die „klimabesorgten Klimasünder“ genannt. Den Unterschied zwischen Reden und Handeln gerade im grünen Milieu zu diskutieren wäre bei den „Fridays for Future“-Demonstrationen sicher ein lohnendes Thema.

In den Vereinigten Staaten brachte vor einigen Jahren der damalige Vizepräsident Al Gore einen Film namens „Eine unbequeme Wahrheit“ über den Klimawandel heraus, in dem die Zuschauer mit Monsterwellen aufgrund steigender Meeresspiegel geschockt wurden. In Interviews lobte sich Gore für seinen „CO2-neutralen Lebensstil“, etwa dass er für Flugreisen einen Ausgleich bezahle. Dann aber kam eine andere „unbequeme Wahrheit“ heraus, dass nämlich Gores Villa im Bundesstaat Tennessee mit fast 1000 Quadratmetern Wohnfläche etwa zwanzigmal so viel Energie verbraucht wie das Haus einer amerikanischen Durchschnittsfamilie. Allein die Pool-Heizung verbraucht so viel Strom wie sechs Durchschnittshaushalte. Der sich grün gebende Politiker stand als Heuchler und Pharisäer da.

Zur Wahrheit gehört eben auch, dass gutverdienende Schichten sich teurere Energie besser leisten können als die Geringverdiener. Die von der grünen „Fridays for Future“-Bewegung geforderte drastische und abrupte Einschränkung der CO2-Emissionen, etwa durch Abschalten aller fossilen Kraftwerke, würde einen Anstieg der Energie- und Stromkosten bedeuten, der für die unteren sozialen Schichten nur schwer zu ertragen wäre. Ganz zu schweigen von Millionen Armen in anderen Erdteilen, die bei einer deutlichen Verteuerung der Energie wieder unter die absolute Armutsgrenze gedrückt würde. Die gehobenen und die kreativ-kritischen Bevölkerungsteile könnten damit leben, andere kaum.

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