Das Milliarden-Geschäft der Schlepper

Der Ansturm der Flüchtlinge auf Europa nimmt zu – und das Mittelmeer wird vielfach zu einer Todesfalle. 2014 hat sich die Zahl der registrierten illegalen Einwanderer über das Mittelmeer schon auf 220.000 vervierfacht. In diesem Jahr werden es wohl noch sehr viel mehr – und ebenso steigt die Zahl der Toten, weil skrupellose Schlepperbanden viel zu viele Menschen auf völlig seeuntaugliche Boote pressen, die leicht kentern. Am Wochenende ertranken wohl rund 700 Menschen vor der libyschen Küste, zum Teil eingesperrt auf dem Zwischendeck. Die Flüchtlinge zahlen für die Überfahrt Tausende Euro. Mit einem vollgepackten größeren Frachter, auf dem mehrere hundert zahlende Migranten sitzen, kann ein Schlepper bei einer einzigen Fahrt mehr als eine, vielleicht auch drei oder vier Millionen Euro Gewinn machen. Für die Schleuser ist es ein Milliarden-Geschäft!

Mehr dazu hier im F.A.Z.-Artikel.

Angesichts der Bevölkerungsprognosen für Afrika kann einem ganz schwindelig werden: Bis Ende des Jahrhunderts prognostizieren die UN eine Verdreifachung der Zahl von jetzt eine Milliarde Afrikaner. Allein für Nigeria wird von einem Anstieg der Einwohnerzahl um 740 Millionen Menschen ausgegangen. Wenn diese Staaten – wonach es aussieht – weiterhin überwiegend arm bleiben, weil die Wirtschaft langsamer wächst als die Bevölkerung, dann wird der Migrationsdruck nach Europa extrem steigen. Wie gehen wir damit um?

Es wäre höchste Zeit, dass man die kriminellen Schleuserbanden konsequent bekämpft, illegale Einwanderer konsequent abfängt und gleichzeitig Auffang- und Asylantragszentren in Nordafrika schafft. Solche Zentren hat schon vor einem Jahrzehnt der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) angeregt, jetzt setzt sich Innenminister Thomas de Maizière (CDU) dafür ein. Viele Fragen sind offen, aber man sollte den Plan ernsthaft verfolgen. Der bekannte Entwicklungsökonom Paul Collier aus Oxford fordert die Europäer auf, illegale Einwanderer, die übers Mittelmeer kommen, konsequent zurückzuschicken, um nicht noch mehr zu der lebensgefährlichen Reise zu ermutigen; gleichzeitig plädiert Collier für mehr legale Möglichkeiten der Einreise, etwa durch größere Kontingente für Arbeitsmigranten.

Mit den jetzigen Rettungsaktionen jedenfalls wird (unbeabsichtigt) das Geschäft der Schlepper unterstützt. So werden immer mehr Menschen ermutigt, die höllisch gefährliche Fahrt anzutreten. Die Schlepper bringen irgendwo an einem Hafen oder Strand in Libyen ihre zahlenden Kunden an Bord (zum Teil mit vorgehaltener Waffe), werfen den Motor an, bringen das Schiff in Richtung Norden in Bewegung und setzen dann gleich einen Notruf ab – damit die Flüchtlinge von der Küstenwache oder einem Handelsschiff aufgesammelt werden. So berichtet es de Maizière. Nicht “die EU mordet”, wie das der Kollege Prantl in der SZ schreibt, sondern die Schleppermafia.

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