Eine offene Debatte über Kosten und Nutzen der Zuwanderung

Die Migration nach Deutschland hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. 2013 kamen netto fast eine halbe Million Menschen, 2014 stieg vor allem die Flüchtlingswelle an. Ist das ein Segen oder eine Belastung? Da die Qualifikation der Zuwanderer besonders aus Südeuropa deutlich besser ist als in der Vergangenheit, profitiert Deutschland von viele Zuwanderern der jüngsten Vergangenheit. Die bisherige Zuwanderung, beginnend mit Gastarbeiterwellen, die in den 70ern dann arbeitslos wurden, war aber wohl ein Minus-Geschäft, wie Hans-Werner Sinn in einem Aufsatz für die FAZ zum Jahreswechsel vorgerechnet hat. Deutschland liegt bei der Qualifikation der Zuwanderer ziemlich weit unten im internationalen Vergleich, deshalb hat die bisherige Einwanderung den Staat mehr belastet als sie fiskalisch einbring.
Der Ifo-Chef hat sich darin die teils arg verzerrten Medienberichte auf eine ZEW-/Bertelsmann-Studie vorgeknöpft. Sinns mutiger Text hat ihm ein gewaltiges Echo und hunderte Leserkommentare, aber auch keifende Reaktionen eingebracht. In Deutschland kann über das Thema Zuwanderung offenbar nicht jenseits politisch-korrekter Stereotypen („eine Bereicherung“) diskutiert werden. Umso mehr ziehe ich meinen Hut vor Leuten wie Sinn, die sich trauen, die Phrasen zu hinterfragen. Auf Sinn hat Holger Bonin geantwortet. Im Grunde sind sie sich einig: Deutschland muss die Zuwanderung besser steuern und die Zuwanderer nach Qualifikation auswählen. Ich habe über den Jahreswechsel das hoch interessante Buch „Exodus“ von Paul Collier gelesen. Demnächst kommt eine Rezension von mir in den „Politischen Studien“, einer Zeitschrift der Hanns-Seidel-Stiftung.

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