Was bringt der Woke-Kapitalismus?

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Ein Teil der Mitarbeiter wird von den links-progressiven Botschaften abgeschreckt und demotiviert. Auch viele Kunden sind genervt.

Es ist ein immer recht junges Phänomen, dass große Unternehmen, angeführt von US-Konzernen, sich plötzlich besonders sozialpolitisch progressiv geben, als Vorkämpfer von Gerechtigkeit, Gleichheit und Minderheiten. Der „New York Times“-Kolumnist Ross Douthat hat dafür den Begriff „Woke Capitalism“ geprägt: aufgeweckter Kapitalismus. Viele Unternehmen reiten scheinbar auf den Wellen eines Zeitgeistes, den man früher eher auf der politischen Linken vermutete; sie können gar nicht genug Regenbogen- und andere Signale progressiver Gesinnung senden.

Der Woke-Kapitalismus hat das alte knochentrockene Diktum von Milton Friedman ersetzt, der meinte, die einzige soziale Verantwortung von Unternehmen sei es, Gewinne zu machen. Heute geben sich die Unternehmen nicht nur „Shareholdern“ (Aktionären), sondern den „Stakeholdern“ verpflichtet. Sie listen auf, welche Anstrengungen sie machen, um „ESG“-Ziele zu erreichen (Umwelt, Soziales, gute Unternehmensführung). Allerdings ist dieser neue Ansatz, dass Manager nach außen progressive, soziale und ökologische Haltung vertreten, nicht unumstritten.
(Weiter hier. “Sonntagsökonom” in der FAS)

Angela Merkel – ein katastrophales Erbe

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Zu Abschied nach 16 Jahren im Kanzleramt haben Merkels Hofsänger nochmal ihr Loblied angestimmt.

Nur drei Monate nach ihrem Abtritt fällt uns ihr Erbe bleischwer auf die Füße. Ihre Energiepolitik hat uns in eine fatale Abhängigkeit von russischem Gas gebracht, wie wir nun bitter erkennen und nur unter enormen Kosten revidieren können. Die jahrzehntelange Vernachlässigung der Bundeswehr hat die deutsche Verteidigungsfähigkeit ruiniert und Deutschland zu einem unsicheren Bündnispartner gemacht. Und auch die Langzeitfolgen der Migrationskrise 2015/16 sind weiterhin zu spüren. Damals saß Merkel auf dem hohen moralischen Ross, die migrationskritischen Osteuropäer wurden runtergemacht. Beim Zustrom der ukrainischen Flüchtlinge vor dem Krieg sehen wir jetzt, wie Osteuropa in einer echten Flüchtlingskrise vorbildlich hilft, während aus Deutschland zu wenig Unterstützung für die Ukraine kommt. Angela Merkel hat in wichtigen Fragen Schaden vom deutschen Volk NICHT abgewandt.

Auf Einladung der Zeitschrift “The Quadrant” habe ich einen Vortrag, den ich in Budapest hielt, publiziert (siehe hier). Dazu noch ein Interview, das ich der ungarischen Zeitschrift “Mandiner” gegeben habe (hier).

Boris Johnson: Die Party ist vorbei

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Für den britischen Premier Boris Johnson wird die Luft immer dünner nach den Enthüllungen über „Lockdown-Partys“ in der Downing Street.

Boris Johnson erschien lange Zeit als Ausnahmepolitiker, der sich immer wieder aufrappeln konnte. Er glich einer Katze, die angeblich sieben Leben besitzt. Affären und Skandale, über die andere gestürzt wären, hat er auf mirakulöse Weise politisch überlebt. Nun aber könnte die Affäre um die „Lockdown-Partys“ sein Ende als Regierungschef einleiten. (Gastbeitrag in Die Tagespost. Weiter hier.)

Sozialismus – die gescheiterte Idee, die niemals stirbt

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Warum bleibt “Sozialismus” für viele Intellektuelle auch nach dem empirisch erwiesenen Scheitern in zwei Dutzend sozialistischen Regimen immer noch attraktiv? Wie immunisieren sich die Sozialismus-Freunde gegen Einwände? Wie haben prominente Linke sozialistische Mörderregime verharmlost und verklärt? Diesen Fragen geht Kristian Niemietz in seinem Buch “Sozialismus. Die gescheiterte Idee, die niemals stirbt” nach. Ich habe für die Hanns-Seidel-Stiftung eine Rezension geschrieben. Hier zu lesen.

Einen BaerBOCK schießen

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Die Kanzlerkandidatin der Grünen will hoch hinaus – doch sie ist mehr Schein als Sein

Annalena Baerbock ist die erste Kanzlerkandidatin der Grünen in der gut vierzigjährigen Geschichte der Partei. Nach ihrer Nominierung im April entfachten viele Medien, allen voran der grünlinke öffentlich-rechtliche Rundfunk, ein Feuerwerk der Begeisterung für die vermeintlich hochkompetente Grünen-Kanzleraspirantin. Die Umfragewerte schossen in die Höhe.

Ich habe Zweifel, ob Baerbock wirklich hochkompetent ist. Sie hat schon zu viele „Böcke geschossen“, als dass man sie fachlich für wirklich sattelfest halten darf. Wir müssen nicht nur an das immer wieder gezeigte Video denken, als sie über die Rohstoffe, insbesondere „Kobold“ für die Elektroautobatterie referierte, oder dass sie ernsthaft glaubt, man könne größere Mengen Strom „im Netz“ speichern oder dass „jeder Deutsche im Schnitt 9 Gigatonnen“ (9 Milliarden Tonnen) CO2-Ausstoß pro Jahr habe (da lag sie um neun Nullen zu viel daneben). Als Mutter der Sozialen Marktwirtschaft, die sie in den 1960ern beginnen lässt, verortete Baerbock die SPD, nicht Ludwig Erhard. Sie hat offenbar nicht allzu viel Ahnung von der Geschichte der Bundesrepublik.

Immer wieder fällt sie mit Wissenslücken, Halbwissen, forsch vorgetragenen Irrtümern und Versprechern auf.

Annalena Baerbock hat in ihrem noch jungen Leben eine steile Karriere gemacht, aber vor allem in und mit der grünen Partei und in der Politik: Nach dem Studienabschluss an der LSE und der vierjährigen Arbeit in einem Abgeordnetenbüro schaffte sie schon mit Anfang 30 den Sprung in den Bundestag 2013. Sie hat sich seit ihrem Studium eigentlich nur in Partei- und Parlaments-Zirkeln bewegt. Ansonsten hat sie fast keine berufliche Erfahrung zu bieten. Sie hat nie außerhalb der Partei gearbeitet, sieht man mal von drei Jahren freie journalistische Mitarbeit für die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ ab. Und entscheidend ist: Sie hat noch nie eine größere Abteilung oder gar ein Ministerium geleitet.

Das ist ziemlich wenig Erfahrung für jemanden, der sich ernsthaft darum bewirbt, Kanzlerin von 82 Millionen Menschen in Deutschland zu werden. Die großsprecherische Behauptung, sie sei „Völkerrechtlerin“, weil sie ein Jahr an der LSE International Law studiert hat, ist vielen gestandenen Juristen schon übel aufgestoßen. „Wenn Baerbock glaubt, dass zwei Semester 2004/05 an der London School of Economics and Political Science genügen, um sich als Völkerrechtlerin ausgeben zu können, so zeugt das von blinder Ignoranz und Abgehobenheit“, findet etwa Prof. Gerd Seidel (Humboldt Universität).

Offenbar aus dem Drang heraus, ihren Lebenslauf wichtiger erscheinen zu lassen, als er ist, hatte sie ihn mit allerlei groß-tönenden Namen von Organisationen geschmückt. Sie sei „Mitglied“ beim UNHCR, hieß es in ihrem offiziell verbreiteten Lebenslauf auf ihrer Homepage. Dem Blogger Hadmut Danisch fiel auf, dass diese Angabe im Juni plötzlich verschwunden war. Das hat meine Neugierde geweckt. Natürlich ist es ziemlich lächerlich, wenn jemand, der sich als „Völkerrechtlerin“ bezeichnet, mit einer „Mitgliedschaft“ beim UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) angibt. Das ist eine UN-Behörde, bei der keine Privatperson Mitglied werden kann.

Diesen offensichtlich frisierten und aufgehübschten Lebenslauf habe ich mir vergangene Woche noch genauer angeschaut und weitere Ungereimtheiten entdeckt, namentlich eine Mitgliedschaft beim German Marshall Fund, die gelogen war, denn Baerbock war nur eine (von insgesamt mehr als 4000) Teilnehmern des Marshall Memorial Fellowship Programms. Falsch war auch die Angabe im Lebenslauf, sie sei Mitglied des „Europa/Transatlantik-Beirats“ der Böll-Stiftung. Da ist sie schon länger ausgeschieden.

In der Summe ergibt sich das Bild einer jungen Frau, die mit hochstaplerischen Angaben im CV Eindruck schinden will. Nachdem ich das auf Twitter recht deutlich angeprangert hatte, versuchte das Team Baerbock am Freitagabend plötzlich hektisch den Lebenslauf zu bereinigen und umzuschreiben. Das hat es letztlich nur noch schlimmer gemacht. Am Wochenende rollte eine große Welle der Berichterstattung über die aufgedeckten falschen Angaben, angefangen von der „Bild“-Zeitung („Drei neue Fehler? Neuer Bluff im Baerbock-Lebenslauf“) über Focus, NZZ, Welt, dpa, FAZ bis zu vielen Regionalzeitungen. Das amerikanische Magazin Politico titelte: „German Greens leader Baerbock under fire for resumé inflation“.

Die ganze kritische Berichterstattung hat den Grünen das Wochenende vor der Sachsen-Anhalt-Wahl verdorben. Ihre Versuche, kritische Recherchen als „frauenfeindlich“ oder „Hetze“ abzutun, schlugen fehl. Sogar die sicherlich grünen-nahe „taz“ befand eindeutig, dass Baerbock allein schuld ist. „Hochgradig unprofessionell“ lautete das harte Urteil der „taz“. Wer Kanzlerin werden möchte, muss sich auf harte Recherchen zu seinem Leben und seinem Programm gefasst machen. Da offenbart Baerbock wunde Punkte.

Am Ende dieses Wochenendes stehen für die Grünen nur knapp 6 Prozent bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Das ist wahrlich nicht viel für eine Partei, die Kanzler*in werden will.

Nachtrag, 8. Juni:
Vier Tage nach den Enthüllungen (zu denen noch mehr gekommen sind, etwa ein zur “wissenschaftlichen Mitarbeit” aufgeblasenes Praktikum bei einem britischen Institut, dessen Namen sie noch dazu völlig falsch geschrieben hat) äußert sich Annalena Baerbock erstmals zu ihrem mehrfach korrigierten Lebenslauf. “Das war Mist”, sagte sie der dpa.

Noch ein Nachtrag: Oben schrieb ich von “drei Jahren freie Mitarbeit” bei der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung”, angeblich war das 2000 bis 2003. Da habe ich inzwischen große Zweifel. Auf Nachfrage konnte die HAZ im digitalen Archiv gerade mal eine Handvoll Artikel von Annalena Baerbock ausfindig machen aus Jahren 2000 und 2002. Die ersten zwei Texte wurden im Rahmen von “ZiSH” (Zeitung in der Schule) erstellt, ein Schülerprojekt. Auch hier scheint es, dass AB ihre Zeit und Leistungen als “freie Journalistin” aufgebauscht hat.

Nachtrag, 10. Juni: Die Umfragewerte stürzen ab. Seit Mai ist die Zahl der Befragten, die mit ihrer Leistung sehr zufrieden oder zufrieden sind, um 15 Prozentpunkte gesunken – auf nun 26 Prozent, so das Ergebnis des neuesten Deutschlandstrends.

Der*die Erlkönig*in

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Gehört Gender-Lyrik die Zukunft?

Vor kurzem kursierte auf Twitter ein Ausschnitt aus einem literaturwissenschaftlichen Seminar. Es ging laut Betreff um die „Neuartigkeit der Naturerfahrung in Goethes Sesenheimer Lyrik“. Ein Teilnehmer schrieb dann einen Satz zu Marcel Proust, der folgendermaßen lautete – Achtung: „Marcel Proust definiert eine*n gute*n Stilisten*in als eine*n Künstler*in, der*die neue Erkenntnisse …“.

Sie mögen nun einwenden, dass dieser Satz gerade kein Beispiel für guten Stil, sondern für stilistische Grausamkeit und Vergewaltigung der Sprache darstellt. Aber vielleicht gehört der Gender-Lyrik die Zukunft? Denn gerade in den Sprachwissenschaften ist der Drang zur „geschlechtergerechten“ Sprache ja bekanntlich besonders groß. Dann müssten auch bekannte Werke der Lyrik und Weltliteratur folgerichtig um- und neugeschrieben werden.

Fangen wir mit Goethes Ballade „Der*die Erlkönig*in“ an:

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der*die*das Vater*Mutter*Elternteil mit seinem*ihrem Kind*
Er*sie*es hat den*das Knaben*Mädchen wohl in dem Arm,
Er*sie*es fasst ihn*sie*es sicher, er*sie*es hält ihn*sie*es warm.

Mein*e Sohn*Tochter*Kind, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Vater*Mutter*Elternteil, du den*die Erlkönig*in nicht? …

Aber auch Goethes „Der*die Zauberlehrling*in“ bietet sich an:

Hat der*die alte Hexenmeister*in
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine*ihre Geister*
auch nach meinem Willen leben.

Besonders reaktionären Geistern wird die stilistische Neuerung nicht unmittelbar als schön einleuchten. Aber das sind Probleme einer älteren Generation, die sich dem geschlechtergerechten Fortschritt verweigert, oder? Doch was geschieht im Mutterland von Marcel Proust, in Frankreich? Dort legt man offenbar mehr Wert auf guten Stil als auf „geschlechtergeschechte“ Sprache. Die reaktionäre Regierung von Emmanuel Macron hat in Gestalt des Bildungsministers Jean-Michel Blanquers ein Verbot des schriftlichen „Gendern“ in den Schulen beschlossen.

Auch westlich des Rheins war die Gender-Seuche auf dem Vormarsch: Dort verwendeten progressive Kreise statt der Sterne (wie in „Politiker*innen“) neuerdings Pünktchen wie in „député.e.s“ (Parlamentarier*innen) oder „électeur.rice.s“ (Wähler*innen). Das Thema spaltet Gesellschaft und Politik. Die französische Bildungsgewerkschaft SUD warf Blanquer vor, der „pädagogischen Gemeinschaft seine eigene Rückständigkeit aufzuzwingen“. Aus der Bevölkerung, darf man annehmen, gab es überwiegend Zustimmung zu dem Schritt, die schwer auszusprechenden Pünktchen nicht zur schulischen Norm werden zu lassen.

Zu wünschen wäre, dass „die Hexenmeister*innen“ der Gender-Sprache auch in Deutschland gestoppt werden.

Party in Soho, leere Büros in der City

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Nach der Lockdown-Lockerung freut sich die Wirtschaft in Großbritannien auf einen Aufschwung. Doch im Londoner Finanzdistrikt wird Corona längere Nachwirkungen haben.

In der Old Compton Street brummt es wie in einem Bienenstock. Ausgehungertes Partyvolk strömt seit Anfang der Woche wieder in die Ausgehmeile im Londoner Stadtteil Soho. Hunderte sitzen abends trotz der kühlen Temperaturen an Tischen und in den Zelten, die Pubs und Restaurants auf der Straße aufgestellt haben; dazwischen flitzen Kellner mit Gesichtsmaske herum. Die Gäste scheinen keine Angst mehr vor Corona zu haben. Vor dem The Three Greyhounds stehen Menschentrauben. Die Geisterstadt ist zu neuem Leben erwacht.

Ein paar Straßen weiter, nahe dem Leicester Square, sind aber die meisten Pubs noch geschlossen, und auch sonst im Londoner Zentrum wirkt es ruhig. Laut einer Schätzung des Gastronomie-Verbands Hospitality UK verfügen sechs von zehn Kneipen und Restaurants im Land nicht über genügend große Außenbereiche, die einen profitablen Betrieb ermöglichen würden. Sie müssen noch warten. Dafür atmen schon jetzt die Einzelhändler auf, die seit dieser Woche in England wieder ihre Geschäfte aufsperren dürfen. „Zurück mit einem großen Knall“ …

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